FLOATING PHANTOMS
Tony Oxley
The B.I.M.P. Quartet
Preis: 15.10 €
Bestell-Nr.: 001
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Tony Oxley percussion
Phil Wachsmann violin, electronics
Pat Thomas piano, keyboards, electronics
Matt Wand sampling
   
   
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Line In 14:44
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Line Out 09:06
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Stream Line 24:40
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Beam Line 11:26
 
Total time:  64:10

All compositions by Tony Oxley, Phil Wachsmann, Pat Thomas, Matt Wand
(P.R.S. / MCPS)
Recorded live during the ´Total Music Meeting´ in Berlin on Nov 5, 1999
Produced by Tony Oxley & Jost Gebers (executive producer)
Liner Notes: Bert Noglik
Translation: Isabel Seeberg / Paul Lytton
Artwork: Tony Oxley
Design/Layout: Klaus Untiet (wppt:kommunikation, wuppertal)
Photo: Ingo Scheffler

 
First release: February 14, 2002 (Valentine´s Day)
 

I take pleasure in presenting this first release of the newly established label a/l/l, a division of FMP FREE MUSIC PRODUCTION Distribution & Communication, which will continuously present marking stones of free improvised music.
Helma Schleif

What's New?


Unerschütterlich eingeschrieben in das Real Book des Jazz: ein Titel überschrieben "What´s New?" Wie häufig nimmt das Neue etablierte Formen an... Wie oft bleibt es unentdeckt, weil es sich nicht propagandistisch mitteilt. Für die stillen musikalischen Revolutionen bedarf es sensibler Gehörgänge. Was mit der Kraft des Plötzlichen neu und unerwartet tönt, löst zumeist Protest oder emphatische Begeisterung aus, polarisiert und wird im allgemeinen leichter wahrgenommen als feine Veränderungen. Beides gehört zum Prozess musikalischer Entwicklung: die Geste des Umbruchs und die mit Langzeitenergie vorgenommene Ausgestaltung des Neuen. (...)

Im B.I.M.P. Quartett treffen Tony Oxley und Phil Wachsmann, zwei Musiker der Pionier-Generation improvisierter Musik, mit zwei jüngeren zusammen, die von anderen Sounds geprägt und inspiriert wurden: Pat Thomas und Matt Wand. Was entsteht ist Balance - nicht im Sinne proportionaler Ausgewogenheit, sondern in Gestalt einer vitalen Gruppendynamik. Gemeinsam entwickeln die Vier unüberhörbar einen eigenen Ensemble-Klang. (...)

Das B.I.M.P. Quartett setzt Tony Oxleys frühe, langjährige und unkonventionelle Beschäftigung mit Live-Electronics fort. Als "Komponist" verteilt er die ehemals von ihm in Personalunion realisierten Funktionen innerhalb der Gruppe. Doch auch dabei können sich wechselnde Mischungs- und Spannungsverhältnisse ergeben. Während Matt Wand als uneingeschränkter Spezialist für Electronics agiert, vermögen Phil Wachsmann und Pat Thomas zwischen akustischen und elektronischen Wirkungen zu changieren. In dichter Kommunikation entstehen komplexe Strukturen mit wechselnden Texturen aus Percussion, Strings (Violine, piano) und Electronics.

Einerseits wirkt entfernt, insbesondere bei Phil Wachsmann und manchmal bei Pat Thomas, eine post-Webernsche Vorstellung im Umgang mit dem Material fort. Andererseits entsteht eine spezielle Bewegungsenergie, die sich von Kompositions- und Spielhaltungen in Neuer Musik grundlegend unterscheidet. Neben kontemplativen Passagen gibt es musikalische Qualitäten, die sich mit ´Drive´ beschreiben lassen und die mit körperlichem Erleben von Zeit bzw. des Musizierens in der Zeit zu tun haben. Electronics, wie sie von Matt Wand genutzt werden, verweisen auf avantgardistischen Umgang mit Klangdimensionen der Jugendkultur und öffnen diese Musik zugleich für eine jüngere Zuhörerschaft, indem sie an deren Hörerfahrungen anknüpft.

Ohne den bereits in den Anfangsjahren entwickelten Anspruch aufzugeben, gelingt es Tony Oxley mit den Mitgliedern des B.I.M.P. Quartetts, Improvisation in Korrespondenz zum aktuellen Klanggeschehen zu entfalten, ohne dem Zeitgeist hinterher zu rennen. Improvisierte Musik englischer Herkunft assoziiert sich in der Vorstellungswelt mancher mit musikalisch monochromer Askese und puristischer Reduktion der Ausdrucksmittel. Ganz abgesehen davon, dass es sich dabei weitgehend um Klischees, also um die Verfestigung von vorgefassten Denkmustern handelt, demonstriert das B.I.M.P. Quartett Konzentration auf das Wesentliche wie auch, besonders in ´Streamline´, eine überraschende Sinnesfreude. Der Umgang mit Samples gerät dabei nicht zu einem kabarettistischen Spiel mit Zitaten, obwohl eine hintergründige Persiflage europäischer Klassik unüberhörbar bleibt. Das Nebeneinander unterschiedlichen Materials erinnert an Traditionslinien, die zu John Cage und weiter zu den Dadaisten zurückreichen. Zur Musikalität des B.I.M.P. Quartetts zählt die Integration all dieser Elemente wie auch des Humor in einen ernsthaften improvisatorischen Gesamtzusammenhang. In der Dialektik von Minimalismus und Komplexität, Intellekt und Sinnlichkeit offenbart sich eine Klangästhetik, die Aspekte Neuer Musik und freier Improvisation, des Jazz und zeitgenössischer Electronica integiert, dabei aber über die von ihr aufgenommenen Traditionslinien und die existierenden Kategorien hinausweist.

Bert Noglik

 



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