BOOK
VIRTUAL COWWS

Rüdiger Carl & COWWS-Quintet
Preis / Price : 40.39 € (Tripel CD)
Bestell-Nr. / P/O No. : FMP CD OWN-90007/9
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Rüdiger Carl accordion, clarinet, percussion, piano
Irène Schweizer piano, percussion
Phil Wachsmann violin, viola, electronics
Stephan Wittwer electric guitar
Jay Oliver double bass
Arjen Gorter double bass
Mayo Thompson voice & drum machine (CD 1:4, 6, 11, 18, 23; CD 2:4)
Lars Rudolph guitar (CD 1:1, CD 2:9)
Joe Sachse guitar (CD 2:2)
Shelley Hirsch voice (CD 1:3; CD 2:13, 15, 21)
Hans Reichel guitar, daxophone (CD 1:13, 20, 24; CD 2: 1, 13, 15, 21)
Han Bennink drums (CD 1:4)
Louis Moholo drums (CD 1:21)
Günter Baby Sommer drums (CD 1:15)
 
  Book  
  CD 1: Tracks # 1 - 24 58:31
  CD 2: Tracks # 1 - 22 60:36
  Recorded between 1979 and 1996
 
  Virtual Cowws 53:51
  CD 3: Tracks # 1 - 7

All music composed by Rüdiger Carl
Recorded by Roland Häberli (Radio DRS Bern) on November 1-2, 1996
Production: Swiss Radio DRS
Produced by Rüdiger Carl and Jost Gebers
Cover-design: Günther Förg Photos: Fred Burkhart, Dagmar Gebers, Walter Kranl, Matthias Osterwold, Benjamin Katz, Konstanze Binder, Hans Reichel, Pablo Otin
Layout: Rüdiger Carl
Liner notes/Booklet CD 1 + 2: Andreas Kallfelz

 
First published in November 1998
 
Aus dem Booklet:
... Die Kombinatorik des BOOK folgt dem Prinzip wechselseitiger Relativierung und offener Ambiguität. Gegen die Erwartung eines in sich geschlossenen musikalischen Systems präsentiert es ein Tableau jenseits von gut und böse, eine Sammlung relativer Motive, die sich unter der Hand gerne mit einer Mischung aus Unschuld und Dreistigkeit verbinden.
 
Auf den ersten Blick handelt es sich um ein musikalisches Familienalbum, mit gemeinsamen Ausflügen in die Wildnis, konzentriertem Gedankenaustausch, lustig-intensiven Parties, besinnlichen Momenten mit den Haustieren am Kamin, etc., die Stunden, die man allein verbringt und die in Gesellschaft. Eine Sammlung verstreuter, bruchstückhafter Geschichten aus einem über zwanzig Jahre umfassenden Zeitraum. (...)
Tatsächlich dreht es sich hier um Kommunikation, Handeln, mögliche Ebenen der Vermittlung und des Kontakts. (...)
Das Wechselspiel von kontrollierendem Rahmen und dem, was innerhalb dieses Rahmens aus der Kontrollierbarkeit wieder heraustritt, markiert zwischen den Beteiligten einen Freiraum, in dem sich die (insgeheime) Kommunikation in der Einnahme unterschiedlicher Möglichkeitsorte vollzieht. Diese sind emotional besetzt, gewinnen ihre Verfügbarkeit aber erst durch ihre Einbindung in eine Kombinatorik, die einerseits als konkretes Verfahren die jeweiligen musikalischen Spielräume limitiert, dann aber im munteren Kombinieren und Wechseln zwischen musikalischen und außermusikalischen ´Szenen´, der Hingabe an die Doppelbödigkeit und dem vergnügen am Dubiosen, alle Optionen wieder öffnet.
Andreas Kallfelz
 
VIRTUAL COWWS
 
AK: Was war die Absicht, der Hintergedanke bei VIRTUAL COWWS?
 
Rüdiger Carl: Wir hatten über zehn Jahre das Klangspektrum des Quintetts in die verschiedensten Richtungen ausprobiert und das Potential der einzelnen Musiker ziemlich ausgelotet, um an die Dinge zu kommen, die uns vorschwebten. Nun hatte ich auf einmal eine Vorstellung von etwas im Kopf, bei der ich zunächst sehr im Unklaren war, wie ich vorgehen sollte. (...) Ich war interessiert, improvisierte Musik mit einem kühlen Kopf und einer gewissen Distanziertheit zusammenzubringen. (...)
Ich hatte mir vorgenommen, acht Stücke zu machen, vier mal acht Minuten und vier mal zehn Minuten, das entspricht etwa einer CD-Länge. (...) Zwei befreundeten Zahlenhändlern habe ich meine Arbeit angedient, und dann sind die beiden Dinge entstanden, die Ludwig Gosewitz und Meuser gemacht haben. Meuser hat solche Zahlenreihen ausgedacht, die zwar logisch, aber im Ergebnis merkwürdig holprig sind. Und Ludwig Gosewitz, der immer in so einem astrologischen Bereich mit Zahlen umgegangen ist, hat eine Sinuskurvenberechnung von einem sechszackigen Stern zugrundegelegt und mir dann seine Zahlen und die dazugehörigen Zeichnungen geschickt.
 
AK: Und dann sind die einzelnen Musiker jeweils mit Vorgaben für diese acht Stücke ins Studio gegangen?
 
Rüdiger Carl: Ja, das waren zwei Tage Studioarbeit im Radio DRS in Bern. (...) Jeder Spieler war einzeln im Studio, ohne dass jemand dabei war außer dem Toningenieur, die anderen wussten nicht, was da gespielt wurde, und ich habe mit der Stoppuhr jeweils den Einsatz und das Ende gegeben. Die Situation war für alle ungewohnt, einzeln eingewinkt zu werden und dann mit äußerster Konzentration zu arbeiten, ohne zu wissen was kommt. (...)
Im Prinzip war es absolut ein Auftrag für Improvisatoren, das kann man sonst keinem zumuten. (...)
 
AK: Mehr oder weniger willkürliche Vorgaben, die dem Musiker dann aber noch einen weiten Freiraum offen lassen, hat auch John Cage zur Grundlage vieler Stücke gemacht.
 
Rüdiger Carl: ...bevor ich das Projekt VIRTUAL COWWS nannte, hieß es ´50 Jahre Absichtslosigkeit´. Es ist ja ungefähr ein halbes Jahrhundert her, dass Cage anfing, mit Auswürfeln und Auspendeln Musikentscheidungen zu fällen. Nur sind meine Dinge doch anders, mehr an der Geschichte angelegt, an der ich beteiligt bin, d.h. das ganze Vorhaben und die Realisation hat unbedingt mit den Leuten zu tun gehabt, die das gespielt haben, und mit meiner Beziehung zu ihnen. Die Musiker, die Cage spielen, sind im allgemeinen Interpreten, (...) während das hier keine Interpreten sind, die spielen zwar die 2 oder 47 Sekunden, aber das ist dann doch ihr eigener Stoff, und nicht von irgendjemand anderen. (...)
Interview: Andreas Kallfelz
 


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