TOTAL MUSIC MEETING 2008
(6. - 9. November)

Internationales Künstlerfestival für Improvisierte Musik

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

www.berlinischegalerie.de

Alte Jakobstr. 124 - 128, D-10969 Berlin-Kreuzberg


40 JAHRE IMPROVISIERTE MUSIK IN BERLIN


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PROGRAMMÜBERSICHT


Do 6. November 2008 | Beginn: 19.30 h | Eröffnung

ENGLAND / DEUTSCHLAND
TIPPETT/KELLERS/TIPPETT
Julie Tippett
voice
Willi Kellers dr, perc
Keith Tippett piano

ENGLAND
John Edwards double bass solo

- P A U S E -

POLEN / JAPAN
Tomek Choloniewski dr, perc
Miho Iwata performance

BELGIEN / ENGLAND / POLEN
QUINQUINTET Fred Van Hove piano
John Edwards double bass
Adam Linson double bass
Louis Moholo-Moholo drums
Tomek Choloniewski drums


Fr 7. November 2008 | Beginn: 19.30 h

USA
Peter Evans trumpet solo

AUSTRALIEN / FRANKREICH
Anthony Pateras prepared piano
Lê Quan Ninh percussion

This project has been assisted by the Australian Government through
the Australia Council for the Arts, its arts funding and advisory
body.


- P A U S E -

DEUTSCHLAND / ENGLAND
Manfred Schoof trumpet
Gerd Dudek tenor & soprano saxophones
John Edwards double bass
Günter ´Baby´ Sommer dr, perc


Sa 8. November 2008 | Beginn: 19.30 h

USA / ITALIEN
Alvin CurranTransDadaExpress (extraordinary renderings) solo performance

USA / ENGLAND / DEUTSCHLAND

RONIT KIRCHMAN, PHILIPP WACHSMANN, PAUL LYTTON TRIO
joined by the artist SARAH B. ECKEL Ronit Kirchman
violin, live electronics
Philipp Wachsmann violin, live electronics
Paul Lytton dr, perc, live electronics
Sarah B. Eckel action painting

- P A U S E -

ENGLAND / USA / DEUTSCHLAND
Evan Parker tenor & soprano saxophones
Peter Evans trumpet
Adam Linson double bass
Richard Barrett sampling keyboard, live electronics


So 9. November 2008

12.00 h


LUXEMBURG 2008
Deutsche Erstaufführung
SUNNY`S TIME NOW
106 min., Farbe, HD Video/35 mm, OF (engl./frz.)
Portrait über den amerikanischen Jazzschlagzeuger und
Komponisten Sunny Murray
Ein Film von ANTOINE PRUM

15.30 h

Abschluss-Konzert Workshops

ISRAEL / DEUTSCHLAND
Vorgruppe: Stechlinsee-Grundschüler Improvisieren
SchülerInnen der Stechlinsee-Grundschule
stellen ihr Projekt ´Die ruhige Schildkröte´ vor.
Musikalische Leitung: Ariel Shibolet (ss)
unter Mitwirkung von Wolfgang Fuchs (cbcl, bcl, ssi)
und Klaus Emrich

INTERNATIONAL
Workshop-Konzert
mit den TeilnehmerInnen der Workshops von
Ronit Kirchman (violin) und Anthony Pateras (prepared piano)

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Grußwort der Schirmherrin Nele Hertling
Vizepräsidentin der Akademie der Künste


40 Jahre Total Music Meeting

Ein Festival, das sein 40 jähriges Jubiläum feiern kann, ist nicht häufig zu finden, noch dazu ein Festival für zeitgenössische improvisierte Musik, eine eher fragile Kunstform, die kein konsumgeprägtes Massenpublikum anziehen kann.
In diesem Jahr wird sehr viel und kontrovers über die Ereignisse und Folgen des Jahres 1968 diskutiert und gestritten. Auch die Anfänge des Total Music Meeting gehen auf diese Aufbruchzeit zurück und sind von deren Spannungen und Möglichkeiten geprägt.
Mitte der 60er Jahre gewannen die europäischen Jazzmusiker an Profil, ihre Musik wurde hörbar. Mit dem wachsenden Interesse an dieser Kunstform wurden neue Präsentationsformen und die Erschließung neuer Räume notwendig.
1968 produzierte Peter Brötzmann seine 2. Platte ´Machine Gun´ im Eigenverlag, in Berlin fand das erste Total Music Meeting statt. Für die Eröffnung einer Ausstellung "Junge Generation Großbritannien" war das Londoner ´Spontaneous Music Ensemble´, dem u.a. John Stevens, Evan Parker und Dave Holland angehörten, in die Akademie der Künste Berlin eingeladen worden. "Nun ist Free Jazz nicht jedermanns Geschmack, deshalb war das Häufchen der Bewunderer im Auditorium der Akademie nicht sehr groß", schrieb der Tagesspiegel. Doch diese Begegnung führte zu Kontakten mit Jazzmusikern aus Berlin und zur Verabredung gemeinsamer Projekte - zunächst zu den ´Three Nights of Living Music and Minimal Art´ 1969, bei denen die Auftritte der Musiker innerhalb der Ausstellung ´Minimal Art´ in den Ausstellungshallen der Akademie stattfinden sollten. Doch dieser Versuch endete mit einem Eklat, das Publikum in diesen spannungsgeladenen Zeiten wollte sich nicht mit seiner passiven Rolle begnügen, die ausgestellten Kunstwerke wurden schnell zu Objekten, mit denen Krach erzeugt werden konnte , in falsch verstandener Freiheit wurde die Zerstörung von Kunstwerken als Protest gegen eine individuelle Einschränkung und einen institutionellen Zwang behauptet.
Doch dieser Schock konnte schnell bewältigt werden und bereits 1970 gab es in den Ausstellungshallen der Akademie der Künste den ersten Osterworkshop der Freien Musik, der eine Tradition begründete und ein wachsendes Publikum gewinnen konnte.
In den folgenden Jahren wurden zwischen Akademie und der FMP weitere neue Veranstaltungsformen erprobt , so auch die Begegnungen zwischen Musikern und Kindern in Schulen oder in den Räumen der Akademie. Im Frühjahr 1970 konnten im Rahmen des Projektes ´Berlin Now´ die Duos Brötzmann /Bennink und Schlippenbach/Johansson zu Galeriekonzerten nach New York geschickt werden. Es war eine Grundlage entstanden, auf der die Künstler selber, das Kollektiv von Musikern, ihre Programme frei entwickeln und kompromisslos neue Ideen erproben und wachsen lassen konnten .
Doch mit den gesellschaftspolitischen, den institutionellen, den persönlichen oder auch ästhetischen Veränderungen der folgenden Jahre hatte dieses Modell keinen Bestand. Die Workshopveranstaltungen, die zu immer mit Spannung erwarteten Begegnungen mit den wichtigsten Musikern aus vielen Ländern geworden waren, konnten so nicht fortgesetzt werden.
Das Festival Total Music Meeting war zu einer Parallele und entscheidenden Ergänzung des Berliner Jazzfestes geworden und konnte in grösserem Rahmen die eigenständige Programmgestaltung der Künstler weiterführen. Das Jazzfest selbst hat sicher wichtige Impulse übernommen, Musiker aus der Free Jazz Szene erschienen immer häufiger auch in den offiziellen Programmen. Doch auch hier führten strukturelle Veränderungen und eine einschneidende Änderung der Finanzierungsgrundlage in den letzten neun Jahren zu immer grösseren Existenzproblemen für das Total Music Meeting. Die sich ständig verändernde improvisierte Musik braucht eine kulturpolitische und finanzielle Basis , um ihre grossartigen Möglichkeiten entfalten zu können und um sich gegenüber den etablierten ´events´ behaupten zu können. Ständige Selbstausbeutung der Künstler und Organisatoren kann nicht die Lösung sein. Es ist bewundernswert, dass immer wieder, und auch in diesem vierzigsten Jahr, ein spannungsreiches Programm sein Publikum einlädt, den Musikern zuzuhören - darunter auch Künstler, die schon in den ersten Jahren in Berlin dabei waren und noch heute die Kraft und Ausstrahlung haben, um die Konzerte zu etwas Besonderem zu machen.
Das Total Music Meeting selbst hat sich diese Fähigkeit erhalten - ihm gebührt die Gratulation verbunden mit dem Wunsch nach einer besser gesicherten Zukunft - so lange die Kraft und die Leidenschaft der Künstler eine solche Begegnung fordern.

Nele Hertling, im September 2008

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PROGRAMM AUSFÜHRLICH


Do 6. November 2008, 19.30 h

ENGLAND / DEUTSCHLAND
TIPPETT / TIPPETT / KELLERS (GB / D)
Julie Tippett
voice
Willi Kellers drums, percussion
Keith Tippett piano

Als das Trio letztes Jahr erstmals wieder nach über 14 Jahren in Berlin beim TMM gastierte, war das Echo so überwältigend und das Email-Feedback so groß, daß wir sie baten, dieses Jahr das TMM zu eröffnen - aus Anlass von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin"...

Julie Tippett
Als Tochter eines Jazztrompeters am 6. Juni 1947 in London geboren, trat sie bereits im Alter von 15 Jahren in Nachtclubs als Schlagersängerin auf. Über diese Zeit sagte sie: "Wenn ich es nicht mehr aushalten konnte, schloss ich mich mit einem Transistorradio auf der Toilette ein und hörte Beatmusik." Als Teenager leitete sie den ´Yardbird´ Fanclub, deren Manager und Produzent, Giorgio Gomelsky, sie zu einer eigenen Bühnenkarriere ermunterte. 1963 debütierte sie mit der Single-Einspielung ´Take Me By the Hand´; 1965 gründete sie zusammen mit Brian Auger die Gruppe ´ Steampacket´, zu der auch Rod Stewart und Long John Baldry gehörten. 1966 entstand ´Trinity´ mit Julie Driscoll, Dave Ambrose, Clive Thacker und Gary Boyel. Ihre bekanntesten Single-Hits waren ´Save Me´ (1967), ´This Wheel´s on Fire´ (1968) und ´Road to Cairo´ (1969). 1969 nahm sie bei Polydor ihr erstes Soloalbum (´1969) auf, begleitet von Jazz- und Bluesmusikern und dem Pianisten Keith Tippett, den sie kurz darauf heiratete.

1970 zog sie sich - wie Keith Tippett - ganz aus dem kommerziellen Popbetrieb zurück, wandte sich dem Free Jazz und der improvisierten Musik zu und widmet sich seither, dem Ensemblegeist verpflichtet, sowohl avantgardistischen als auch pädagogischen musikalischen Projekten. Sie zählt zu den wichtigsten Stimmen Europas und hat mit allen maßgeblichen Musikerinnen und Musikern in unterschiedlichsten Formationen gearbeitet (Spontaneous Music Ensemble, Centipede, Ovary Lodge, Voice (mit Maggie Nicols und Phil Minton), The Ark, Mujician, The Georgian Ensemble, The Dedication Orchestra, Tapestry, etc.).

Willi Kellers
Geb. 1950 in Münster, lebt in Berlin. Seit 1960 Musikunterricht (Schlagzeug, Klavier, Theorie); 1966 erste Beatband; 1968 erste Jazzgruppen. Von 1972-1979 Studium an der Musikhochschule Detmold. Zusammenarbeit mit Peter Brötzmann, Willem Breuker, Frank Wright, Harry Miller. 1982 DDR-Tournee mit Tony Oxley, Uli Gumpert, Hannes Bauer u.a. Konzerte mit Gerd Dudek, Manfred Schoof, Achim Knispel, Trevor Watts. 1982 Musikalischer Leiter am Schauspielhaus Bochum. Ab 1984 eigene Gruppen u.a. mit Lol Coxhill, Phil Minton, Keith Tippett, Julie Tippett. Zahlreiche Auftritte als Solomusiker sowie Konzerte und Tourneen mit Hans Reichel, Heinz Becker, Barre Phillips, Peter Kowald, Marilyn Crispell, Fred Frith, Charles Gayle, Cecil Taylor, u.v.a.

Ab 1972 Theatermusiker in Münster, Recklinghausen und Hamburg. Später Theaterarbeit als Komponist in Bochum, Köln, Basel, Hamburg, Wien. Komponierte Bühnenmusiken u.a. für ´Jumbo Track´( Franz Xaver Kroetz ,1983), ´Schlapper Wind aus Nordwest´ (Dieter Fietzke, 1983), ´Sweeney Agonistes´ (Thorsten Lensing), Heiner Müller, George Tabori, Dimiter Gotscheff, Waechter, Färberböck sowie 2006 für eine deutsch-armenische Bühnenproduktion. Beteiligt an zahlreichen Kunstaktionen (Bildende Kunst und Musik), u.a. im Kunsthaus Essen, Von-der-Heydt-Museum Wuppertal, Landesmuseum Münster, Kunstmarkt Göttingen, etc.

Keith Tippett
Geb. 25.8.1947 in Bristol. Seit Ende der 60er Jahre einem großen Publikum als Musiker, Komponist, Arrangeur, Performer, Filmkomponist, Radiomacher und Dozent bekannt. Er gilt als einer der radikalsten und differenziertesten Pioniere des Jazz, Jazz Rock und der Improvisierten Musik.

Ab 1964 Zusammenarbeit mit Blue Notes (Chris McGregor, Dudu Pukwana, Mongezi Feza, Johnny Dyani, Louis Moholo) sowie Elton Dean, Mark Charig, Nick Evans, John Marshall, u.v.a. Pianist bei King Crimson auf deren zweitem, dritten und vierten Album. Neben Nucleus und Soft Machine gehörte das Sextett um Keith Tippett zu den führenden Jazz-Rock-Gruppen der 60er und 70er Jahre. Gründung zahlreicher Bands wie das 50-köpfige Centipede mit Jazz-, Rock-, Folk- und klassisch ausgebildeten Musikern; Ovary Lodge, Ark, Mujician (in verschiedenen Besetzungen), Dedication Orchestra, Tapestry, u.a.

Mitglied in Derek Baileys Company; Zusammenarbeit u.a. mit Larry Stabbins, Stan Tracey, Evan Parker, Andy Sheppard, Paul Dunmall, Paul Rutherford, Paul Rogers, Tony Levin, Howard Riley, Hatty Miller, Peter Fairclough, Peter Brötzmann, Willi Kellers, Hans Reichel, Zim Ngqawana und seiner Gruppe Ingomaand und natürlich mit Julie Tippett. Vielfach auch als Solomusiker tätig. Gründete in den 1970er Jahren die Dartington Summer School, an der er wie auch Julie Tippett bis heute unterrichtet. Schrieb und arrangierte in großem Umfang Filmmusik (für Kino und TV-Serien). Seit 1969 veröffentlichte er nahezu 100 Einspielungen (LP und CD).


Do 6. November 2008 / 2nd act

ENGLAND
John Edwards double bass solo
Letztes Jahr, als wir John im Trio mit Evan Parker und Louis Moholo-Moholo vorstellten, entstand die Idee, ihn anlässlich von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin" endlich einmal auch als Solisten zu präsentieren.

John Edwards
Er gehört in der europäischen Free Jazz und Improv-Szene zu den gefragtesten Bassisten aus der jungen Generation und ist auf allen wichtigen Festivals in Europa, Neuseeland und den USA vertreten. In den späten 80er Jahren begann er Bass zu spielen; 1990 spielte er erstmals mit Musikern wie Roger Turner, Lol Coxhill, Maggie Nicols, Phil Minton, Evan Parker, Louis Moholo, Eddie Prevost zusammen und wurde ein wichtiges Mitglied der Londoner Musikszene. Seither in unterschiedlichen Besetzungen kontinuierliche Zusammenarbeit und Platteneinspielungen mit Evan Parker, Tony Bevan, Veryan Weston, Elton Dean und Mark Sanders. Er gibt außerdem Solokonzerte, komponiert und macht Musiktheater. Umfangreiche Diskographie (über 80 Einspielungen bisher).

Beim Total Music Meeting 2003 war er mit Pat Thomas (p) und Ronit Kirchmann (violin) im Trio zu hören sowie beim TMM 2007 mit Evan Parker und Louis Moholo. John Edwards ist zusammen mit Sunny Murray und Tony Bevan einer der Protagonisten in Antoine Prums Filmportrait SUNNY`S TIME NOW, das wir am Sonntag, den 9.11., 12 Uhr in deutscher Erstaufführung zeigen.

(anschließend Umbaupause von ca. 30 - 40 Minuten)


Do 6. November 2008 / 3rd act

POLEN/JAPAN
Tomek Choloniewski perc
Miho Iwata performance

Diese beiden, in Polen inzwischen sehr bekannten und angesehenen jungen KünstlerInnen (die Performerin Miho Iwata lebt in Krakau), präsentieren wir mit besonderer Freude. Es ist in dieser Besetzung ihr Berlin- und TMM-Debut.

Tomek Choloniewski
Der Perkussionist, Komponist und Improvisator wurde 1977 in Krakow als Sohn des bekannten Komponisten und Pioniers der elektronischen Musik Marek Choloniewski geboren. Sein Studium an der Musikhochschule in Krakow schloss er mit Auszeichnung ab.
Tomek gehört heute zu den wichtigsten jungen Improvisatoren Polens. Er arbeitet in verschiedenen, von ihm initiierten Besetzungen, zu denen oftmals auch Tänzer gehören. Darüber hinaus arbeitet er auch kontinuierlich mit dem Beethoven Orchestra zusammen, mit dem er zahlreiche Uraufführungen in Poland, Holland, Deutschland und Italien bestritt.
Er war mehrfach beim Cracow Audio Art Festival zu hören wie auch bei Veranstaltungen des Elektro-akustischen Musikstudios und als Interpret von Kammermusik. Als Komponist realisierte er u.a. Filmmusiken für Animationsfilme von Marta Pajek.

Er arbeitet auch als Lehrer und war 2002 u.a. als Berater des Internationalen Workshops für Zeitgenössische Musik in Krakow und Stuttgart tätig und 2003 mit einer Vortragsreihe an der National University of Seoul vertreten.

Zusammenarbeit mit zahlreichen polnischen und europäischen Musikern und Tänzern, darunter Miho Iwata, Amareya Theater, Slawomir Berny, Frederic Blondy, Richard Boulanger, Przemyslaw Branny, Phil Minton, Lawrence ´Butch´ Morris, Nicolas Muller, John Butcher, Marek Choloniewski, Lê Quan Ninh, Dickson Dee, Attila Dora, Jan Pilch, DJ Edee Dee, Diego Espinosa, Misha Feign, Bartlomiej Gliniak, Joan Laage, Juan Sebastian Lach Lau, Joanna Lampa, Andrzej Lampert, DJ Lenar, Paulina Owczarek, Mikolaj Palosz, Juan Parra, Andrzej Piaseczny, , Kazimierz Pyzik, Horst Rickels, Raphael Roginski, Gilad Roth, Maciej Silski, Joanna Slowinska, LaDonna Smith, Tomasz Stanko, Raymond Strid, Olga Szwajgier, Carlos Iturralde, MX ZEHN u.v.a.

Festivalauftritte (u.a.): ´Unsound´ und ´House Atmosphere´ (Krakow 2004) ´Plain Music´ (Warschau 2004) und ´Transform of Sound´ (Warschau 2006), ´Fortalicje´ (Zamosc 2004, und 2005), ´NPAI´ (Parthenay 2004), ´Audio Art´ (Seoul 2003), ´Jazz D'Or´ (Strasbourg 2005), ´Festival de Butoh´ (Paris 2006), ´Polish Sound Art´( Foshan, Ghuanghzou, Beijing und Shanghai 2006), ´Ad Libitum´ (Warschau 2007), ´Cultures Of The World´ (Gdansk 2008).

Miho Iwata
Geboren 1962 in Ichinomiya-shi, Japan, Studium der Architektur an der Kyoto Prefectural University and Polnische Philologie an der Jagiellonian University in Krakow, wo sie seit 1986 lebt. 1991 lernte sie dort die Arbeit des Butoh-Tänzers Daisuke Yoshimoto kennen, die sie nachhaltig prägte.

1994 präsentierte sie sich erstmals mit einer Solo-Performance (´Legs of Pigeon´) in der Krzysztofory Gallery in Krakow. Szenische Arbeiten wie ´Granat´, ´The Moon and Fish Neck´, ´Utsusemi´ folgten. Seither ist sie auf zahlreichen Veranstaltungen und Festivals in Polen, Europa und Japan aufgetreten, darunter im Tesla (Berlin), Kyoto Art Center, Ujazdowski Castle Contemporary Art Centre, Zacheta Gallery (Warschau), Krzysztofory Gallery, Otwarta Pracownia, Bunkier Sztuki-Cracow Contemporary Art Gallery, Solvay Contemporary Art Centre (Krakow), BWA Gallery (Lublin), Manhattan Gallery (Lodz), Arsenal (Bialystok). Seit 2002 hat sie sich ganz der Improvisation zugewandt. Sie ist Mitglied der Künstlergruppen ´ Otwarta Pracownia´ und Improvising Artists, arbeitet mit Musikern in
verschiedener Besetzung zusammen und kreierte mit ´Thousands of Dreams´ eine Solo-Improvisationsperformance, die sie u.a. in der Otwarta Pracownia Gallery in Krakow vorstellte. 2006 war sie artist-in-residence am Kyoto Art Center. In dieser Zeit präsentierte sie Performances in der jahrhundertealten Waldlandschaft des Shimogamo-Jinja Schreins, im einstigen Meirin Kindergarten sowie in den traditionellen ´machiya´ Hausgärten von Kyoto.
Weitere Open-Air Performances folgten im historischen Garten des Ryang Garden Museum in Foshan (China 2006), beim ART-POINT Festival (Deutschland 2007), an der Baltischen See (Polen 2008) und am Bahnhof of Raciborz (Polen 2008).

Ihre erste Einzelausstellung zeigte sie in der Baltic Contemporary Art Gallery in Ustka.
Sie war an zahlreichen Multimedia-Projekten von Marek Choloniewski, Wojciech Kosma und Maciej Walczak beteiligt wie auch an Tetsuo Furudates DADAYAMA Projekt für Deutschlandradio.

Viele weitere Projekte entstanden in Zusammenarbeit mit Improvisationsmusikern wie Tomek Choloniewski (percussion), Malgorzata von Frankenstein (bass guitar) und Kojiro Yoshida, dem bekanntesten japanischen Nokan-Spieler.


Do 6. November 2008 / 4th act


BELGIEN / ENGLAND / SÜDAFRIKA / POLEN
QUINQUINTET
Fred Van Hove
piano
John Edwards double bass
Adam Linson double bass
Louis Moholo-Moholo drums
Tomek Choloniewski drums

Ein aus Anlass von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin" erstmals in dieser Besetzung auftretendes Quintett unter der Leitung von Fred Van Hove.

Fred Van Hove
Der 1937 in Antwerpen geborene Pianist, Komponist, Akkordeonist, Organist, Bandleader, Festival- und Workshopleiter gehört zu den herausragenden Pionieren und Wegbereiten des europäischen Free Jazz und der Improvisierten Musik und genießt weltweit eine einzigartige Reputation. Seit 1964 arbeitet er als freiberuflicher Musiker. Sein Schaffen ist auf unzähligen Tonträgern dokumentiert, darunter die legendäre ´Machine Gun´-Session von 1968 mit Peter Brötzmann bis hin zu den Aufnahmen des ´Belgisch Pianokwartet´, das gleichfalls längst Musikgeschichte geschrieben hat. Er hat weltweit mit allen wichtigen Vertretern der Improvisationsmusik zusammengearbeitet, darunter Kris Wanders, Jan van den Ven, Peter Kowald, Mani Neumeier, Buschi Niebergall, Sven-Åke Johansson, Manfred Schoof, Han Bennink, Don Cherry, Cel Overberghe, Philipp Wachsmann, Günter ´Baby´ Sommer, Ivo van der Borght, Sabu Toyozumi, Tetsu Saitoh, u.v.a.

In diversen Formationen seiner Musikerinitiative Werkgroep Improviserende Musici (WIM) und Musica Libera Antverpie (MLA) arbeitete er mit Marc Charig, Radu Malfatti und Paul Rutherford, mit Albert Mangelsdorff, Steve Lacy, Lol Coxhill, André Goudbeek, Vinko Globokar, Christian Leroy; mit Hans Reichel, Evan Parker, und Barry Guy, mit Conny Bauer Hannes Bauer, Annick Nozati, Ned Rothenberg, Douglas Ewart, Luc Houtkamp, Gert-Jan Prins sowie vielfach mit Wolfgang Fuchs (siehe a/l/l 012 Facetten. Live at TMM 2004).
Seit 1970 ist Fred Van Hove auch solistisch tätig. Auch diese Auftritte sind hervorragend dokumentiert und gehören längst zum Kanon zeitgenössischer Musik. 2007 legte er auf Evan Parkers Label seine bisher letzte Solo-Einspielung vor (Journey, psi 08.03).
Er komponierte und spielte Musik zu vielen Theaterproduktionen und Stummfilmen; arbeitete vielfach mit Dichtern und Malern zusammen und ist weltweit ein gefragter Dozent und Workshopleiter.

1983 war Fred Van Hove für ein halbes Jahr Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und initiierte in dieser Zeit zahlreiche ´Berliner Begegnungen´ (SAJ 47, MLBB1/Fuchs/Van Hove/Hollinger. Artwork: Max Neumann). Seither kehrt er regelmäßig nach Berlin zurück, u.a. 2006, wo er im Rahmen des TMM mit Paul Rutherford, Paul Lytton und Paul Rogers konzertierte.

John Edwards
siehe 6.11.

Adam Linson
Der Improvisator und Komponist wurde am 19. Juni 1975 in Los Angeles geboren und lebt seit einigen Jahren überwiegend in Berlin. Adam graduierte in Philosophie und studierte Musik (bei George Lewis und Bertram Turetzky) an der University of California, San Diego.
Seither trat er mit vielen bedeutenden Musikern auf, darunter Evan Parker, Philipp Wachsmann, Paul Lytton, Alexander von Schlippenbach, Paul Lovens, Lawrence Casserley, Axel Dörner und Rudi Mahall, und erwarb sich einen ausgezeichneten Ruf auf beiden Seiten des Atlantiks als einer der interessantesten Bassisten der jungen Generation.

Neben seiner Konzerttätigkeit ist er auch Entwickler von interaktiver Musiksoftware für Live Performances, die er 2006 vorstellte (Cut and Continuum, Solo Album for Double Bass, psi). Er war auf vielen europäischen Festivals vertreten, darunter beim Huddersfield Contemporary Music Festival und der Köln Triennale. In den Jahren 2004 und 2008 war er artist-in-residence am STEIM, dem Studio für elektro-instrumentale Musik in Amsterdam, wo er seine GNU/Linux basierte Musiksoftware weiterentwickelte. Neben vielen anderen internationalen Auftritten in unterschiedlichsten Formationen arbeitet er gegenwärtig vor allem im Quartett mit Evan Parker, Richard Barrett und Peter Evans, im Oktett unter Leitung von John Butcher, sowie im Trio mit Nate Wooley und Harris Eisenstadt. "Seine Arbeit wird weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt" (Bill Shoemaker, 2008). Im Rahmen von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin" wird Adam Linson erstmals beim TMM präsentiert.

Louis Tebugo Moholo-Moholo
Geb. 10 März 1940 in Kapstadt, Südafrika. Nach über 40jährigem Exil in London kehrte dieser Ausnahme-Musiker, wie im November 2004 beim Total Music Meeting anlässlich seines Duos mit Irène Schweizer angekündigt, Anfang 2005 nach Kapstadt zurück. Moholo-Moholo, der einzige Überlebende der südafrikanischen Jazzband Blue Notes, die 1964 ins europäische Exil ging, gründete in Kapstadt inzwischen eine eigene Big Band (´Hear our Heart´s Vibrations´), über die er sagt: "I want to breathe new life into South African jazz". Es ware uns ein Anliegen gewesen, mit Louis Moholo-Moholo in diesem Jahr aus Anlass von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin" auch einige seiner Big Band-Mitglieder in Berlin zu präsentieren. Dieses Vorhaben scheiterte: am Geld.

Moholo-Moholo, der die europäische Free Jazz und Improvisations-Szene entscheidend prägte und für den "alles zwischen Himmel und Erde Rhythmus ist", trat in Berlin zuletzt beim TMM 07 auf, im Trio mit Evan Parker und John Edwards.

Tomek Choloniewski
siehe 6.11.


Fr 7. November 2008 | Beginn: 19.30 h

USA
Peter Evans trumpet solo

TMM-Debut von Peter Evans aus Anlass von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin", "eine erstaunliche neue Stimme auf diesem höchst anspruchsvollen Instrument, der Trompete" (Evan Parker).

Peter Evans
Der Trompeter, Komponist und bildende Künstler, 1981 geboren und unweit von Boston aufgewachsen, studierte klassische Tompete am Oberlin-College. In dieser Zeit musizierte er u.a. mit James Dillon, George Lewis, Frances-Marie Uitti und Ursula Oppens.
2003 siedelte er nach New York über, wo er seither lebt und arbeitet. Zu seinen derzeitigen Ensembles gehören das Quartett mit Brandon Seabrook, Tom Blancarte und Kevin Shea, Moppa Elliotts ´terroristische´ Bebop-Band ´Mostly Other People Do The Killing´, das Improvisationsduo ´Sparks´ mit Blancarte, das Freejazz-Quintett ´Carnivalskin´ mit u.a. Klaus Kugel und Bruce Eisenbeil, die ´Language Of´ mit Charles Evans, das ´New York Trumpet Ensemble´ sowie Duos mit Trompeter Nate Wooley und Saxophonist Dave Reminick. Daneben tritt er häufig auch als Solist auf. Seine auf Evan Parkers Label psi veröffentlichte Solo-Einspielung ´More Is More´ wurde 2006 vom renommierten Musikmagazin The Wire unter die 50 besten Platten des Jahres gewählt. Peter Evans ist außerdem Mitglied einiger New Yorker Ensembles für notierte zeitgenössische Musik, darunter dem ´International Contemporary Ensemble´, ´Alarm Will Sound´, ´Continuum´ und ´Ensemble 21´ und tritt als Pikkolotrompeter für Barockmusik und Interpret von Bachs 2. Brandenburgischen Konzert oder der h-Moll-Messe auf. Der weltweit gefragte Künstler hat u.a. zusammengearbeitet mit Mary Halvorson, Dave Taylor, John Zorn, Okkyung Lee, Taylor Ho Bynum, Perry Robinson, Jim Black, Evan Parker, Ned Rothenberg, Mark Gould, Jack Wright, Luka Ivanovic, Brian Chase, und Alan Kay.
In den letzten Jahren absolvierte er Tourneen in den USA, Kanada, Südostasien und Europa, wo er in unterschiedlichsten Besetzungen auftrat.


Fr 7. November 2008 | 2nd Act

AUSTRALIEN / FRANKREICH
Anthony Pateras prepared piano
Lê Quan Ninh percussion

Anthony Pateras Der Pianist, Elektroniker und Komponist wurde 1979 in Melbourne geboren und erwarb sich in den letzten Jahren neben seiner eigenen Konzerttätigkeit auch als Komponist von Ensemble-, Orchester- und Filmmusik einen hervorragenden Namen.

Die LA Times pries ihn als "bemerkenswerte neue Stimme", und auch seine Auftritte mit dem Australian Chamber Orchestra in der Oper Sydney sowie seine Konzerte mit verschiedenen Formationen in Berlin, Nancy, Venedig, Prag und Marseille sorgten für Aufsehen. Seine Kompositionen wurden u.a. vom Los Angeles Philharmonic und dem Melbourne Symphony Orchestra aufgeführt. Er hat mit herausragenden Dirigenten wie James McMillan, Brett Dean und Markus Stenz zusammengearbeitet und auf John Zorns Tzadik-Label zwei Künstlerportraits veröffentlicht. 2007 war er Ian Potter-Stipendiat; 2009 wird sein Gesamtwerk für Schlagzeug in Melbourne und Brisbane uraufgeführt.

Pateras hat mit zahlreichen namhaften Improvisatoren musiziert, darunter Paul Lovens, Tony Buck, Jérome Noetinger, Clayton Thomas, Thomas Lehn, Natasha Anderson, Johannes Bauer und Anthony Burr. Sein aufsehenerregendes Solowerk ´Chasms´ wurde bisher in Porto und Amsterdam präsentiert. Die Einspielung dieses Werks hat ´The Wire´als bestes Album 2007 ausgezeichnet. Seine Filmmusik wurde auf den Festivals von Cannes, Sundance, Telluride, Palm Springs und Sao Paulo vorgestellt; sein Soundtrack für Eron Sheeans Bing wurde beim Dresdner Filmfestival 2003 mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Pateras war künstlerischer Leiter der internationalen Biennale für experimentelle Musik 2008 in Melbourne und hat Klanginstallationen im West Space Melbourne, im MOMA San Francisco und im Centre Pompidou in Paris eingerichtet.

Lê Quan Ninh
geb. 1961 in Paris. Erster Klavierunterricht im Alter von 5 Jahren, Hinwendung zur Perkussion im Teenageralter. Mit 16 trat er am Versailler Konservatorium in die Schlagzeugklasse von Sylvio Gualda ein und erwarb vier Jahre später mit dem ersten Preis seinen Abschluß. Die klassische Ausbildung hat er stets mit improvisatorischen Kontexten verbunden. Nach dem Konservatorium unterrichtete er drei Jahre lang Perkussion und spielte in mehreren Ensembles für zeitgenössische Musik, für Tanz- und Schauspielensembles sowie in improvisierenden Ensembles mit dem Gitarristen Jean-Christophe Aveline, dem Klarinettisten Misha Lobko und dem Saxophonisten Daunik Lazro. Das letztere Duo erweiterte sich 1986 durch Michel Doneda zum Trio und später zum Quartett durch den Lyriker Serge Pey. Das ´Quatuor Helios´ verbindet seit 1986 Perkussion, Theater und neue Technologien. Durch Peter Kowald kam er in Kontakt mit zahlreichen Improvisatoren der verschiedensten Kulturkreise; außerdem nahm er an einigen ´Conductions´ mit Butch Morris teil. Seither ist er in Europa und Amerika in Ensembles aktiv, die u.a. akustische und elektroakustische Musik, Improvisation, Performance, Tanz, Lyrik, experimentelles Kino, Fotografie und Video miteinander verbinden. Von 1992 bis 2002 war er Mitglied der von ihm gegründeten ´Association La Filibuste´, die sich mit der Verbindung von Improvisation und anderen Kunstformen beschäftigt. 1993 fing er auf Anregung von George Lewis an, sich ausführlich mit interaktiver Computermusik auseinanderzusetzen. Ein weiteres Interessengebiet umfaßt die Arbeit mit Tänzern (Iwana Masaki, Valérie Métivier, Nakamura Yukiko, Michel Raji, Pascal Delhay, Olivia Grandville, Franck Beaubois, Patricia Kuypers, u.a.). Seit 2000 arbeitet er an Umwelt-Projekten, die auf das Werk des Verhaltensforschers Jakob von Uexküll zurückgehen. 2003 war er Artist in Residence in Biel/Schweiz, wo er mit zahlreichen, Musikern, Tänzern und Videokünstlern zusammenarbeitete. 2006 gründete er zusammen mit der Cellistin Martine Altenburger das ´Ensemble Hiatus´ für zeitgenössische Musik, in dem die meisten Musiker zugleich Interpreten und Improvisatoren sind.

Auf FMP ist er mit drei Einspielungen vertreten: ´Open Paper Tree´ (FMP 068), ´Burning Cloud´ (FMP 077) sowie ´Cuts´(FMP 094).

(anschließend Umbaupause von ca. 30 - 40 Minuten)


Fr 7. November 2008 | 3rd Act

DEUTSCHLAND / ENGLAND
Manfred Schoof trumpet
Gerd Dudek tenor & soprano saxophones
John Edwards double bass
Günter ´Baby´ Sommer (dr, perc)

Drei Urgesteine und Pioniere des europäischen Free Jazz und der Improvisierten Musik aus Ost und West im Zusammenspiel mit einem der besten Bassisten der ´younger generation´.

Manfred Schoof
geb. 6. April 1936 in Magdeburg; Ausbildung an der Musikakademie Kassel (Trompete, Klavier), Studium an der Musikhochschule Köln; Kompositionsstudium bei Bernd Alois Zimmermann. Seit 1990 Professor an der Musikhochschule Köln; seit 1992 Vorstandsmitglied des Deutschen Komponistenverbands; seit 1994 Aufsichtsratsmitglied der GEMA; Bundesverdienstkreuz 2006. In der Laudatio wurde sein Werk als "ein wesentlicher Beitrag zum Entstehen eines attraktiven Deutschlandbildes in einer Musiksparte" gewürdigt, "die die Menschen allgemein mit Offenheit und Freiheit verbinden"

Musikalische Stationen: Gunter Hampel Quintett, Globe Unity Orchestra, New Jazz Trio (Manfred Schoof, Peter Trunk, Cees See), Clarke-Boland Orchester, Kurt Edelhagen Big Band, Manfred Schoof Quintett, Manfred Schoof Orchester, George Russell Sextett, George Gruntz Concert Jazzband, European Jazzensemble, Old Friends. Konzerttourneen weltweit.
Als Komponist und Arrangeur hat Schoof für alle deutschen und zahlreiche europäische Rundfunkorchester gearbeitet; seit 1970 vielfach auch für Film und Fernsehen.

Mit Gerd Dudek verbindet ihn eine über 40jährige Zusammenarbeit. 1965 gründete Schoof mit ihm, Alexander von Schlippenbach, Buschi Niebergall und Jaki Liebezeit sein erstes Quintett, das den europäischen Jazz revolutionieren sollte. Neben zahllosen Festivalauftritten wirkte dieses bahnbrechende Quintett u.a. auch an der Uraufführung von Bernd Alois Zimmermanns Oper ´Die Soldaten´ mit. Mit der LP-Einspielung ´European Echoes´ des Manfred Schoof Orchesters (mit u.a. Gerd Dudek, Evan Parker und Fred Van Hove) von 1969 legte FMP ihre erste Veröffentlichung vor, die inzwischen zum Kanon der jüngeren europäischen Musikgeschichte gehört. Bereits 1964 indes hatte Gunter Hampel sein legendäres Heartplants-Quintett mit Manfred Schoof, Alexander von Schlippenbach, Buschi Niebergall und Pierre Courbois gegründet, das mit seinen Konzertauftritten und Einspielungen (Heartplants, MPS/SABA) dem deutschen Freejazz erstmals zum Durchbruch verhalf. Es folgten 1966 Einspielungen auf CBS (´Voices´, MPS (Globe Unity) und Wergo (Manfred Schoof Sextett).

Gerd Dudek
geb. 6. April 28.09.1938 in Groß Döbbern bei Breslau. Dudek zählt, wie auch Manfred Schoof, zu den innovativsten und stilbildenden Persönlichkeiten der europäischen Jazzszene. Nur wenige Musiker haben den deutschen Jazz/Free Jazz/Improvisierte Musik mit ähnlicher Kontinuität bereichert wie Gerd Dudek.

Er ist seit der Gründung 1966 Mitglied des Globe Unity Orchestras; war Mitglied der German All Stars, die weltweit zahlreiche Tourneen absolvierte, arbeitete mit George Russell und Don Cherry. Er spielte im Albert Mangelsdorff Quintett, im Quartett mit Alan Skidmore und Adelhard Roidinger und gehörte zu den Mitbegründern des European Jazz Quintett mit Ali Haurand, mit dem er auch in anderen Gruppen spielt (z.B. mit Rob van den Broeck und Tony Oxley). Umfangreiche Diskografie, u.a. Einspielungen mit Lester Bowie, Joachim Kühn, Dexter Gordon, Vitold Rek und Peter Giger. Dudek ist Gastsolist bei der NDR- und WDR-Bigband und Mitglied zahlreicher Ensembles.

Günter ´Baby´ Sommer
geb. 25.08.1943 in Dresden, gehört zu den bedeutendsten Vertretern des zeitgenössischen europäischen Jazz. Mit seinem hoch individualisierten Schlagwerk hat er über Jahrzehnte eine unverwechselbare musikalische Sprache entwickelt, die ihm weltweite Anerkennung eintrug. Sommer zählt zu den Mitbegründern der für den neuen Jazz in der DDR bahnbrechenden Gruppe ´Synopsis´ (mit Ernst-Ludwig Petrowsky, Conny Bauer und Ulrich Gumpert). Anfang der 80er Jahre war er Mitglied des Quartetts MLDD4 von Fred Van Hove (mit Mark Charig und Philipp Wachsmann).

Sommer, der ´trommelnde Geschichtenerzähler´, arbeitet eng mit Schriftstellern wie Christa Wolf, Christoph Hein und Günter Grass zusammen, dessen Gedichte und Hörbücher er durch seine Kompositionen und Improvisationen musikalisch gestaltet.

Die Zusammenarbeit mit Tänzern und Schauspielern intensivierte Sommer seit den 80er Jahren. Sein Spielkonzept ist nicht nur eng verknüpft mit Literatur und Film, sondern auch mit Tanz, Theater, Bildender Kunst.


Sa 8. November 2008 | Beginn: 19.30 h

USA / ITALIEN
Alvin Curran TransDadaExpress (extraordinary renderings) solo performance

geb. 13.12. 1938 in Providence, Rhode Island. Alvin spielte seit seinem fünften Lebensjahr Klavier und Posaune und trat in Blaskapellen, Jazzbands und den Tanzkapellen seines Vaters auf. Es folgen Studien bei Ron Nelson, Elliott Carter, Mel Powell und Begegnungen mit Strawinsky, Xenakis, Berio, Yuji Takahashi, Andriessen, Remo Remotti und Rzewski. Weitere musikalische Einflüsse: Franco Evangelisti und Cornelius Cardew. Gemeinsam mit Frederic Rzewski, Richard Teitelbaum u.a. gründete er 1966 das Improvisationsensemble ´Musica Elettronica Viva´, mit dem er bis 1971 über 200 Konzerten in Europa und den USA gab. Es folgten Begegnungen mit Musikern und Komponisten wie Giuseppe Chiari, Edith Schloss, Cardew, Steve Lacy, Michelangelo Pistoletto, Steve ben Israel, Anthony Braxton, Simone Forti, Steve Reich, Joan La Barbara, Michael Nyman, La Monte Young, Trisha Brown, Ashley, Gordon Mumma, Alvin Lucier, Larry Austin, Bill Smith, Robert Moog, Phil Glass, Charlemagne Palestine, Terry Riley, George Lewis, Evan Parker, Gregory Reeves, Serge Tcherepnin, Maryanne Amacher, John Cage, David Tudor, Morton Feldman, u.a.

Giacinto Scelsi wurde sein Freund und Mentor. Von 1963-64 und erneut 1986-87 war Curran Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Von 1991 bis 2006 hatte er den Milhaud-Lehrstuhl für Komposition am Mills College in Oakland/Kalifornien inne; gegenwärtig lehrt er in Rom.

Seit vielen Jahren setzt sich Curran mit Umweltklängen aus aller Welt auseinander, die er mit elektronischen Sounds verbindet. Currans musikalische Erfindungen haben mit seinem Verständnis von Architektur und Geographie als natürlichen Bühnen für Musik zu tun, und damit, daß er alle Klangphänomene als Musik definiert. In einer Reihe von großen Projekten hat Alvin Curran das Radio als Instrument eingesetzt, so z.B. 1988 in ´Crystal Psalms´, einer internationalen Live-Ausstrahlung, die simultan Live-Performances in 6 europäischen Städten vereinte.

Seit 1996 arbeitet er an ´Inner Cities´, einer Serie von Solopiano-Stücken, die er 2005 auf dem Label Long Distance Records veröffentlichte.

Die renommierte Filmemacherin Claudia von Alemann begleitet den weltweit gefeierten Komponisten, Klang-, Performance- und Installationskünstler Alvin Curran s seit über zwei Jahren bei zahlreichen Projekten und Aufführungen in Italien, Frankreich, England und Deutschland mit der Kamera. So dokumentierte sie u.a. 2006 die Open Air-Aufführung von ´Oh Brass´, die Curran im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2006 mit Hunderten von Blechbläsern realisierte. Gegenwärtig arbeitet sie an der Fertigstellung dieses einzigartigen Dokuments.


Sa 8. November 2008 | 2nd Act


USA / ENGLAND / DEUTSCHLAND
RONIT KIRCHMAN, PHILIPP WACHSMANN, PAUL LYTTON TRIO
Joined by the artist SARAH B. ECKEL
Ronit Kirchman
violin, live electronics
Philipp Wachsmann violin, live electronics
Paul Lytton dr, perc, live electronics
Sarah B. Eckel action painting

Eine faszinierende Formation hochkarätiger Künstler, die sich aus Anlass von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin" erstmals in dieser Besetzung zu einer multimedialen Performance zusammenfinden.

Ronit Kirchman
Die Komponistin, Multiinstrumentalistin, Klangdesignerin, visuelle Künstlerin und Autorin wurde 1974 in Los Angeles geboren. Nach einem klassischen Geigenstudium mit hervorragenden Abschlüssen u.a. auch in Literatur, Bildender Kunst und Tontechnik an der Yale University und CalArts, wo sie bei Wadada Leo Smith, David Rosenboom und Zvi Zeitlin studierte, wandte sie sich ganz der Klangerforschung und kompositorischen Praxis zu. Ihre Kompositionen umfassen Filmmusik, Songs, Orchesterwerke, Musik für Theater und Tanz sowie audiovisuelle Computerkompositionen und Installationen. Ihr Orchesterwerk ´Departures´ vereinigt Jazz, Computerelektronik und Improvisation. Sie spielt experimentelle, klassische Musik, Jazz, Rock, Blues und Country und konzerierte in der Carnegie Hall wie auch in Hunderten von Clubs. Sie hat in den USA, Kanada und Europa mit Nels Cline, Fred Frith, dem Rova Saxophone Quartet, Anne LeBaron, Bertram Turetzky, Wolfgang Fuchs, Torsten Müller, Pat Thomas, John Edwards, Phil Wachsmann, Peggy Lee, Wadada Leo Smith und Vinnie Golia gearbeitet und zahlreiche Aufnahmen bei Dreamworks, a/l/l, NineWinds, pfMentum und Vitamin eingespielt.

Ronit war erstmals beim TMM 2003 im Trio mit Pat Thomas und John Edwards zu hören.

Philipp Wachsmann
geb. 5.8.1944 in Kampala, Uganda. Musikstudium an der Durham University in England sowie an der Bloomington University in Indiana; Kompositionsstudium 1969-70 in Paris bei Nadia Boulanger. Er ist sicherlich der einzige Vertreter der freien Musik weltweit, der bei dieser wohl bedeutendsten Kompositionslehrerin des 20.Jahrhunderts studierte. Er gab Kurse für Neue Musik an der Durham University und baute dort das Fach Improvisation auf. Als Mitglied des Yggdrasil-Quartetts führte er Werke zeitgenössischer Komponisten wie John Cage, Cornelius Cardew und Morton Feldman auf und realisierte erste multimediale Projekte. 1971 gründete er das Improvisations-Ensemble Chamberpot. Seither Zusammenarbeit in verschiedensten Formationen und Aufnahmen mit führenden Improvisateuren wie Fred Van Hove, Barry Guy, Tony Oxley, Paul Rutherford, Derek Bailey, Barre Philipps, Evan Parker, Paul Lytton, Phil Minton, Radu Malfatti, Marc Charig, Irène Schweizer, Keith Tippett, Georg Gräwe, Electric String Trio, Ark, COWWS, Celebration Orchestra, Derek Bailey´s Company, London Jazz Composers ´Orchestra, Electro-acoustic Ensemble, MLDD4, King Übü Örchestrü. Vielfach auch als Solist tätig. Kontinuierliche Duo-Arbeit mit Paul Lytton. Sein improvisatorisches und kompositorisches Oeuvre, die Verbindung von Instrumentalklang und Elektronik wie auch seine Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, Tänzern, Schauspielern und Filmemachern in zahlreichen Multimedia-Projekten ist wegweisend.

Paul Lytton
Geb. 8. März 1947 in London, lernte als Heranwachsender Schlagzeug und spielt seit Mitte der 60er Jahre. 1967 wurde er Mitglied des National Jazz Youth Orchestra; ab 1969 spielte er im Duo bzw. Trio mit Evan Parker und Derek Bailey (später mit Barry Guy) sowie in Parkers Electro-Acoustic Ensemble. Er war Gründungsmitglied der London Musicians´ Coop und spielt im London Jazz Composers´ Orchestra. Seite Mitte der 70er Jahre lebt er in Belgien. Ab 1976 spielt er u.a. im Duo mit Paul Lovens, mit dem im selben Jahr das Label ´Po Torch Records´ gründete. Beide sind Mitglied im Globe Unity Orchestra und treten gelegentlich mit dem Bremer Improvisations-Quartett BIQ auf. Lytton ist Mitbegründer des King Übü Örchestrü und tritt auch in Ken Vandermarks Territory Band auf. Umfangreiche Diskografie.

Lytton ist einer der bedeutendsten Schlagzeuger und Perkussionisten der freien Musikszene in Europa und hat als Entwickler und Erbauer neuer Musikinstrumente und live electronics Maßstäbe gesetzt.

Sarah B. Eckel
Malerin, lebt und arbeitet in Berlin und in einem alten Bauernhaus am Meer in der Bretagne. Ihre Arbeiten beziehen in hohem Maße Aussage und Gestalt aus den verwendeten Materialien, sehr häufig Bitumen und Schellack, auch Gefundenes erfährt eine neue Existenz im künstlerischen Kontext. In ihren Performances - oft als Open Working Teil eines TOTAL improvisierten musikalischen und bildnerischen Ereignisses - entsteht aus einer starken Beziehung zwischen den Künsten ein neuer "Aggregatzustand der Kontemplation (Gisela Bukamp). Beide Sprachen, die musikalische und die bildnerische, sagen Unsagbares. Ihr strukturales, mithin wichtigstes und identitätstiftendes Element im Prozeß des Entstehens ist aber unhör- und unsehbar: die Zeit. Ausstellungen-Stationen: Berlin, Köln, Düsseldorf, Leipzig, Darmstadt, Frankfurt/M., Stuttgart, Ingolstadt, Paris, Avignon, Huelgoat. Publikationen: Kunstbücher mit Originalradierungen im Rainer Verlag (Berlin), Belser Verlag (Stuttgart), Edition Rougerie (Montémart), Centre National des Ecritures de Spectacle, (Avignon). Bühnenbilder: Urfaust (Goethe), Staatstheater Darmstadt; Violanta (Korngold), Staatsoper Darmstadt (zusammen mit Gert Eckel). 1999 Gründung des Joly-Weinberg Verlages (Kunstbücher, Lyrik und Prosa aus der Bretagne). Action Painting (Auswahl): Téléthon (Paris 2007), Publikum und TV-Direktübertragung; Kunstverein Alte Synagoge Oerlinghausen, mit Philipp Wachsmann; Galerie Wewerka Berlin, mit Philipp Wachsmann.

Sie hat an zahlreichen multimedialen Projekten mitgewirkt, in denen sie vielfach mit Philipp Wachsmann zusammenarbeitete.

Ausstellungen-Stationen waren Berlin, Köln, Düsseldorf, Leipzig, Darmstadt, Frankfurt/M., Stuttgart, Paris, Avignon.

Publikationen: Kunstbücher mit Originalradierungen im Rainer Verlag, Berlin, Belser Verlag, Stuttgart, Edition Rougerie, Montémart, Centre National des Ecritures de Spectacle, Avignon.

Bühnenbilder: Urfaust, 1992, Staatstheater Darmstadt; Violanta (Korngold), Staatsoper Darmstadt (zusammen mit Gert Eckel).

(anschließend Umbaupause von ca. 30 - 40 Minuten)


Sa 8. November 2008 | 3rd Act


ENGLAND / USA / DEUTSCHLAND
Evan Parker tenor & soprano saxophones
Peter Evans trumpet
Adam Linson double bass
Richard Barrett sampling keyboard, live electronics

Erstmals in dieser Besetzung aus Anlaß von "40 Jahre Improvisierte Musik in Berlin" hier zu erleben: Evan Parkers neue Supergruppe, die andernorts schon reichlich Furore gemacht hat.

Evan Parker
Geb. 5.4.1944 in Bristol. Evan Parker ist unbestritten der innovativste und hochkarätigste zeitgenössische Saxophonist in Europa. Er hat in zahllosen großen und kleinen Gruppen gearbeitet, ist aber einem breiten Publikum ebenso durch sein Solosopranspiel, seine Zusammenarbeit mit Live-Elektronikern und als Interpret zeitgenössischer Kompositionen von G. Bryars, M. Nyman und F. Rzewski bekannt.

Seit Ende der 60er Jahre arbeitet Evan Parker u.a. kontinuierlich mit Louis Moholo in unterschiedlichen Besetzungen zusammen; seit den 90er Jahren regelmäßig auch mit John Edwards. Parker war 2005 beim TMM im Trio mit den Live-Elektronikern Richard Barrett und Paul Obermayer zu hören sowie 2007 im Trio mit John Edwards und Louis Moholo.

Zu zahlreich sind seine Gruppen, Auftritte, Einspielungen, um sie hier gebührend zu würdigen. Was zu sagen bleibt: Evan Parker ist ein Großmeister des freien Spiels, der stets aufs Neue Maßstäbe setzt.

Peter Evans
siehe 7.11.

Adam Linson
siehe 6.11.

Richard Barrett
Geb. 1959 in Swansea, Wales. Nach seinem Abschluss in Genetik am University College in London studierte er Komposition bei Peter Wiegold und trat in Kontakt mit Hans-Joachim Hespos und Brian Ferneyhough. Er zählt zu den britischen Komponisten der Neuen Komplexität und erhielt für seine Werke u.a. den Kranichsteiner Musikpreis (1986), den Gaudeamusprijs (1989) und den British Composer Award (2003). Viele von Barretts Werken sind in Serien gruppiert und haben einen Bezug insbesondere zu Schriftstellern wie Samuel Beckett und Paul Celan oder dem chilenischen Maler Roberto Matta.

Von 1996 bis 2001 lehrte er elektronische Komposition und Performance am Königlichen Konservatorium in Den Haag; von 2001 bis 2002 war Barrett Stipendiat des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, wo er bis 2006 lebte. Seither unterrichtet er elektronische und instrumentale Komposition an der Brunel Universität in London (Center for Contemporary Music Practice).

Zahlreiche seiner Werke wurden von namhaften Interpreten und Ensembles aufgeführt, darunter von Maurizio Barbetti, Pascal Gallois, Andrew Sparling, Michael Finnissy, Mark Knoop, Ian Pace, Jonathan Powell, Barrie Webb, Jonny Axelsson, Mieko Kanno, Friedrich Gauwerky, Gabriel Prynn, Frances-Marie Uitti, Arditti String Quartet, BBC Symphony Orchestra, Cikada, Deutsches Symphonie-Orchester, Elision, Ensemble Exposé, Ensemble InterContemporain, Ensemble L'Itinéraire, Ensemble Modern, Ensemble Mosaik, Kairos Quartett, Klangforum Wien, London Sinfonietta, u.a. Von zentraler Bedeutung ist auch seine Zusammenarbeit mit dem Elision Ensemble, für die er zahlreiche Werke komponierte.

Als Performer von Live Elektronik tritt Barrett im Duo mit Paul Obermayer (Furt) auf, sowie mit Ute Wassermann und anderen führenden Improvisatoren wie George Lewis, Evan Parker, Adam Linson, Peter Evans, Joëlle Léandre, u.a.


So 9. November 2008 | 12.00 h Matinee

Luxemburg 2008
SUNNY`S TIME NOW
Ein Film von Antoine Prum
Kamera: Camille Cottagnoud
Produzent: Paul Thiltges
106 min., Farbe HD Video/35mm, OF (English/French)

In Anwesenheit des Regisseurs

Portrait über den amerikanischen Jazzschlagzeuger und Komponisten James Marcellus Arthur ´Sunny´ Murray, mit Archivmaterial von 1967 (Sunny Murray, Albert Ayler, Don Cherry Henry Grimes, Lewis Worrell, Leroy Jones), Interviews und Konzertausschnitten der Gegenwart.
Gedreht in London, Paris, New York, Philadelphia und Düdelingen.
Es spielen (u.a.) das Sunny Murray Trio feat. Tony Bevan (ts, bs) und John Edwards (b).
Interviews mit Cecil Taylor (p), Tony Oxley (dr), William Parker (b), Tony Bevan (ts, bs), Bobby Few (p), Fritz Novotny (cl, fl, oboe), Grachan Moncur III (tb, b), François Tusques (p), Jacques Bisceglia (jazz-photographer), Daniel Caux (musicologist, journalist, homme de radio and festival organiser; † 12 July 2008), Tony Herrington editor-in-chief and publisher of The Wire Magazine), Ekkehard Jost (musicologist, writer, saxophonist), Edwin Pouncey (music writer and cartoonist), Delfeil de Ton (writer and columnist of The Nouvel Observateur), Val Wilmer (jazz-photograhger and writer) and Robert Wyarr (dr, voice).

Antoine Prum
Geb. 1963 in Luxemburg, lebt in Berlin. Objekte, Installationen, Filme.
1990 ausgezeichnet mit dem Prix d´Encouragement aux Jeunes Artistes; 1998 Teilnahme an der Manifesta 2 in Luxemburg; 1999 und 2001 Casino Luxemburg; 2004 Vorarlberger Kunstverein, Bregenz; Stipendiat des Künstlerhauses Bethanien, Berlin und u.a. Teilnahme an dem Ausstellungsprojekt ´Elvis Has Just Left the Building´. 2005 Teilnahme an der Biennale Venedig (Pavillon Luxemburg) mit dem Film Mondo veneziano, der großes Aufsehen erregte. Im selben Jahr erschien auch sein Film in Russland gedrehter Tour de Force über den Kraftartisten Georges Christen. Ausstellungen in Montpellier und Alès (September 2008).
In Vorbereitung: Halberstadt, Filmessay über das Stendhal Syndrom und die Entdeckung des Halberstädter Doms als einem der hervorragendsten Beispiele gotischer Architektur in Norddeutschland; Stadt der Justiz, ein Portrait der luxemburgischen Architekten und Urbanisten Léon und Rob Krier. Seit 1994 zahlreiche Ausstellungen und Kunstprojekte in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Japan, Australien; umfangreiche Bibliografie.


So 9. November 2008 | 15.30 h


ISRAEL / DEUTSCHLAND
Vorgruppe: Stechlinsee-Grundschüler Improvisieren
SchülerInnen der Stechlinsee-Grundschule stellen ihr Projekt ´Die ruhige Schildkröte´ vor.
Musikalische Leitung: Ariel Shibolet (ss) unter Mitwirkung von Wolfgang Fuchs (cbcl, bcl, ssi)
und Klaus Emrich.

Aus Tel Aviv stammt der junge Sopransaxophonist Ariel Shibolet, den wir 2007 erstmals zu einem Solo-Konzert beim TMM nach Berlin einluden. Ganz zweifellos beeinflusst von Evan Parker, Steve Lacy wie auch von Anthony Braxton hat der Musiker und Klangpoet gleichwohl eine eigene Handschrift entwickelt, die ihn als einen der ungewöhnlichsten und interessantesten Improvisationskünstler seiner Generation ausweist. Von der deutschen Presse als "Entdeckung des Jahres 2007" gefeiert, kommt der junge Künstler erneut nach Berlin, um mit der Musikklasse von Klaus Emrich zu arbeiten. Sie begegnen hier erstmals persönlich ihrem Mentor, um gemeinsam - und öffentlich - zu musizieren.
Unterstützt aus Mitteln des Berliner Projektfonds kulturelle Bildung.

Stechlinsee-Grundschüler Improvisieren
Manchmal haben Konzertbesuche Auswirkungen auf den Unterricht in einer Grundschule, genauer: den Unterricht in einer 4. Klasse, deren Klassenlehrer ich bin.
Ich hörte während des TMM 2oo7 den Sopransaxofonisten Ariel Shibolet und kam anschließend mit ihm ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass auch er neben seinem Saxofonspiel mit Kindern arbeitet und ein wunderbares Kinderbuch geschrieben hat, das im Grunde seine Auffassungen von frei improvisierter Musik enthält.
Dies war der Beginn einer nun fast einjährigen Beschäftigung mit improvisierter Musik, der textlichen Verarbeitung der Hörerfahrungen der Kinder, des Geschichten-Schreibens zu den Improvisationen Ariel Shibolets und eigener musikalischer Improvisationsversuche.
Es gab in diesem Zusammenhang einen Briefwechsel zwischen den Kindern und Ariel Shibolet und ein großes Interesse der Kinder, eine solche Musik auch live zu erleben - und einem Publikum zu präsentieren.
Letzteres ist unterdessen geschehen. Es gab einen Auftritt der Kinder in der Aula unserer Schule. Unter den Zuhörern waren Helma Schleif, die Organisatorin des TMM, und der Klarinettist Wolfgang Fuchs. Und beide waren angetan von den Improvisationen der Kinder.
Die Idee entstand, das Spiel der Kinder beim diesjährigen TMM zu präsentieren.
Aus der Phantasie ist Realität geworden. Der Berliner Projekfonds kulturelle Bildung unterstützt unser Vorhaben und ermöglicht es, dass Ariel Shibolet an unsere Schule kommt, um mit den Kindern über sein Buch von der Schildkröte und seine Musik zu sprechen. Und er wird mit ihnen gemeinsam improvisieren. Das Ergebnis dieser Begegnungen wird hörbar während des Auftritts der Kinder am letzten Festivaltag. Sie werden an prominenter Stelle - nach dem Sunny Murray- Film und vor dem Workshop-Konzert von Ronit Kirchman und Anthony Pateras - ihre Klangvorstellungen realisieren.
Damit schließt sich vorläufig der Kreis: die erste Begegnung mit improvisierter Musik - bzw. deren textlicher Repräsentation im Kinderbuch - wird nach einem Jahr einmünden in das direkte Hörerlebnis UND die eigene Improvisation im Rahmen eines bedeutenden Festivals. Und es kann davon ausgegangen werden, dass sich daraus eine eigene Dynamik ergibt, die bisher Unerhörtes hörbar macht. Vielleicht wird dann ja irgendwann aus dem Kreis eine Spirale …
Denn: Sie werden nach ihrem Konzert gemeinsam mit Wolfgang Fuchs ihre Erfahrungen mit improvisierter Musik reflektieren können. Texte werden entstehen, Bilder und neue musikalische Skulpturen. (Klaus Emrich)


So 9. November 2008 | 16.00 h

ABSCHLUSSKONZERT WORKSHOPS

Workshop 1: Ronit Kirchman (05.11.- 09.11.)
Workshop 2: Anthony Pateras (07.11.- 09.11)

Die TeilnehmerInnen der beiden Workshops bestreiten zusammen mit den Workshopleitern das musikalische Finale des Festivals.

WORKSHOP 1: Ronit Kirchman

TRANSLATION IN FREE MUSICAL SPEECH

In what is often called musical improvisation, which I suggest we call "free musical speech", we transform ethereal and abstract as well as psychological, interpersonal and primal understanding into a world of ever-changing physical and concrete experiences. This act of free musical speech is one of many ways to make evident the dance of life and consciousness through the gifts of human observation, perception and action.
The workshop will contribute to the expansion of formal musical concepts and real-time comprehension, add new possibilities to the languages of musical expression through conscious application, and breathe love into our mutual interactions as artists.
The most important prerequisite for participation is a willingness to experience music beyond preconceived ideas of form, as well as a willingness to embrace whatever articles of form emerge in the course of the exercise without judgment.
Please bring an instrument you feel is like a part of your body, an extension of your expression - an instrument which feels like second nature to play. In this way we can begin to evolve the ´mother tongue´ in a very direct way. You may also choose to bring an instrument with which you are only somewhat familiar, so that the struggle to make sound which translates your experiences is magnified.
Each day´s experiment will build on the previous days, not necessarily in a linear way. This workshop is a laboratory in which we seek to learn what we may not even know to ask.

(Excerpt from a four page workshop proposal by Ronit Kirchman which can be emailed upon demand.)

Open to all improvisers on any and all instruments, including the human voice, computers, cash registers, bicycles, fabrics, etc.
Please bring your instrument, or anything necessary for you to improvise.

Maximale Teilnehmerzahl: 15
Workshop-Termine (Workshop 1):
Mittwoch, 05.11. - Samstag, 08.11. täglich jeweils von 11.00 h - 14.00 h
Sonntag, 09.11, 14.00 h -17.00 h (Aufbau, Soundcheck, Abschlusskonzert)

Der Workshop findet statt im:
Kulturhaus Mitte, Auguststr. 21, 10117 Berlin-Mitte
Tel. 030-288884433
kulturhaus-mitte@web.de

Das Abschlusskonzert findet statt im:
Auditorium der Berlinischen Galerie (wie alle Konzertveranstaltungen des TMM)
Alte Jakobstr. 124 - 128, 10969 Berlin-Kreuzberg

Teilnahmegebühr Workshop 1: Ronit Kirchman
EUR 65 / mit Festivalpass EUR 100 (gültig für alle Konzerte am 6., 7. und 8.11.
sowie für alle Ausstellungen der Berlinischen Galerie ab 10.00 h)


Bio Ronit Kirchman
siehe 8.11.

WORKSHOP 2: Anthony Pateras
HOW DOES IMPROVISATION/COMPOSITION WORK?

3-tägiger Workshop unter Leitung von Anthony Pateras
für Instrumentalisten, Vokalisten, Komponisten, Interessierte

The distinction between composing and improvising is becoming harder to define, as everyone in the create music circles approaches their practise differently. Being a composer and improviser myself, I have found that as I do more of both, the boundaries in between the two begin to erode. Improvising is essentially composing in real-time, and composition always involves a certain degree of spontaneity.
So is the difference really only the amount of time it takes? Can compositional rigour be achieved with simply a great player´s knowledge and technique? Can improvisational fluidity be formulated without sounding predictable and stayed?
The workshop will examine these questions through the discussion and practice of real-time performance strategies, a dissection of the mental process behind improvisation and a focus on developing effective form in real time. This will be done with a mixture of discussion and playing, with a priority on playing! Daily, proceedings will be concluded with a brief listening/discussion session of 20th and 21st century avant-garde favourites from my iPod.

Maximale Teilnehmerzahl: 15
Workshop-Termine (Workshop 2):
Freitag, 07.11., 10.00 h - 13.30 h
Samstag, 08.11., 12.00 h - 16.00 h
Sonntag, 09.11, 14.00 h -17.00 h (Aufbau, Soundcheck, Abschlusskonzert)

Der Workshop findet statt im:
Kulturhaus Mitte, Auguststr. 21, 10117 Berlin-Mitte
Tel. 030-288884433
kulturhaus-mitte@web.de

Das Abschlusskonzert findet statt im:
Auditorium der Berlinischen Galerie (wie alle Konzertveranstaltungen des TMM)
Alte Jakobstr. 124 - 128, 10969 Berlin-Kreuzberg

Teilnahmegebühr Workshop 2: Anthony Pateras
EUR 65 / mit Festivalpass EUR 100 (gültig für alle Konzerte am 6., 7. und 8.11. sowie für alle Ausstellungen der Berlinischen Galerie ab 10.00 h)


Bio Anthony Pateras
siehe 7.11.


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      TMM-Kontakt / Veranstalter / Infos / Kartenreservierung / Workshop-Anmeldung


Helma Schleif FMP FREE MUSIC PRODUCTION
Distribution & Communication

Lachmannstr. 1
10967 Berlin
Email: fmp.distribution@t-online.de
Tel. 030 - 323 75 26
Fax 030 - 324 94 31
www.fmp-online.de
www.free-music-production.de

Förderverein für Improvisierte Musik (FIM ) e.V.
Lachmannstr. 1
10967 Berlin

in Kooperation mit:
Berlinische Galerie. Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Berliner Künstlerprogramm des DAAD
Druckatelier Margull
Total Music Production (TMP) Berlin
Elektro-akustisches Studio der Akademie der Künste

TMM-Komitee Helma Schleif / Wolfgang Fuchs / G. Fritze Margull

TMM-Schirmherrschaft 2008: Frau Nele Hertling, Vizepräsidentin der Akademie der Künste

TMM-Festivalteam (in alphabetischer Reihenfolge):
Nikolaus Becker, Martin Burike, Klaus Emrich, Ingeborg Ermer, André Hartmann, Helmut Heidrich, Ulrich Katzenberger, Carsten Klopfer, Katharina Kneisel, Maria Lucchese, Anette Merz, Werner Merz, Werner Meyke, Susanne Roewer, Barbara Schwarz, Klaus Untiet, Uschi Vollmer, Claudia von Alemann, Michael Weidlich

Mit allergrößtem Dank an das wunderbare Team der Berlinischen Galerie für vielfältigste Unterstützung. Ohne Euch wäre das alles nix.

Kartenreservierung + Workshop-Anmeldung

E-Mail: fmp.distribution@t-online.de
Telefon: 030 - 323 75 26
Fax: 030 - 324 94 31
FMP FREE MUSIC PRODUCTION Distribution & Communication
Lachmannstr. 1
10967 Berlin

Kartenvorverkauf (ab 25.10. 2008) an der Kasse der BG


Berlinische Galerie
Alte Jakobstr. 124 - 128, 10969 Berlin-Kreuzberg
bg@berlinischegalerie.de
Tel. 030 - 78 90 26 00

Eintrittspreise

Tageskarte: EURO 22
(gültig für alle Konzerte am jeweiligen Abend sowie für alle Ausstellungen der BG in der Zeit von 10 h - 24 h)


Festivalpass: EURO 55
(gültig für alle Konzerte am 6.11, 7.11. und 8.11. sowie für alle Ausstellungen der BG)

Einzelkarte Film (9.11., 12.00 h): EURO 8

Einzelkarte Abschlusskonzert (9.11., 15.30 h): EURO 5 (freier Eintritt für Kinder bis 10 Jahre)

Workshop-Teilnahmegebühr EURO 65 (mit Festivalpass EURO 100)

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Paypal: fmp.distribution@t-online.de

Bankverbindung:

Berliner Sparkasse
Kontonummer 0940020459
BLZ 10050000 Kontoinhaber FMP/Schleif
Stichwort: Workshop 1 (oder 2) TMM 08 mit/ohne Festivalpass + Name

Nach Eingang Ihrer persönlichen Daten und Wertstellung Ihrer Zahlung erhalten Sie eine schriftliche Anmeldebestätigung.

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Das TMM 2008 wird unterstützt von

      

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